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AHO Aktuell - 14.05.2000
Studie: Urlaubsplanung mit Haustieren
(aho) Die Deutschen sind "Urlaubs - Weltmeister", gleichzeitig
nimmt die Zahl der in deutschen Haushalten lebenden Hunde und Katzen
stetig zu. Ob Urlaubsreisen und Haustierhaltung in Konflikt zueinander
stehen, wurde in einer Studie von Frau Dr. Sybille Ehlers an der
Tierärztlichen Fakultät der Universität München untersucht.
Es wurden Daten zu 363 Hunden und 147 Katzen ermittelt. Es ergab
sich, daß 82,6% der Hundehalter und nur 16,4% der Katzenhalter das
Haustier immer oder manchmal auf ihren Urlaubsreisen mitführen.
17,4% der Hundebesitzer und 83,6% der Katzenbesitzer nehmen während
ihrer Reisen alternative Möglichkeiten der Versorgung des Haustieres
wahr.
Ob Hunden und Katzen mit in den Urlaub genommen werden, wird weder
vom Alter des Tieres, dessen Wesenseigenschaften, der Haushaltsgröße,
der Wohnsituation noch von der Höhe des Nettohaushaltseinkommens
der Tierbesitzer beeinflußt. Hingegen werden Katzen aus einer Zucht
und Hunde, die mit weiteren Hunden gehalten werden, häufiger auf
Reisen mitgeführt.
62,8% der Hunde und 11,6% der Katzen begleiteten ihre Besitzer auf
deren letzter Urlaubsreise. Bevorzugte Reiseländer waren Deutschland,
Italien und Österreich. Die Urlaubsziele wurden zu über 80% mit dem
Auto erreicht, 44,3% der Hundebesitzer und ein Katzenhalter hatten
das Tier während der Fahrt nicht in geeigneter Weise gesichert. 62,5%
der Hunde und sieben Katzen wurden mit speziellen Übungen an das
Transportbehältnis (auch Flugreisen betreffend) gewöhnt. 76,8% der
Hundebesitzer und zwölf Katzenbesitzer verbrachten einen Aktiv- oder
Strandurlaub und wohnte mit Hund (28,1%) oder Katze (neun) in einem
Ferienhaus oder einer Ferienwohnung. Die durchschnittliche Reisedauer
betrug bei Hunden 16, bei Katzen 21 Tage. 66,2% der Hundehalter und
acht Katzenhalter hatten vor der Abreise den Tierarzt aufgesucht, bei
10,5% der Hunde und zwei Katzen wurden neben der Impfung weitere
prophylaktische Maßnahmen ergriffen. Über das Infektionsrisiko im
Ausland wurden 28,5% der Hundehalter und zwei Katzenbesitzer aufgeklärt.
158 befragte Personen hatten die Mitnahme des Haustieres in das
Urlaubsdomizil vor Reiseantritt abgeklärt. 16,7% der Hundebesitzer und
fünf Katzenhalter hatten durch das Tier verursachte Probleme auf Reisen.
Es traten in erster Linie Erkrankungen, wie Durchfälle auf. Änderungen
und Auffälligkeiten des Verhaltens des mitgenommenen Haustieres konnten
von 18,4% der Hundebesitzer und zwölf Katzenbesitzern (70,6%)
beobachtet werden.
37,2% der Hunde und 88,4% der Katzen wurden während des durchschnittlich
zweiwöchigen Urlaubes der Besitzer anderweitig versorgt. Hauptgründe,
das Heimtier in Deutschland zu lassen, sind bei den zur Hundehaltung
befragten Personen Flugreisen, bei Katzenhaltern die ausgeprägte
Bindung der Katzen an ihre gewohnte Umgebungen. Hunde werden bevorzugt
zu Bekannten und Freunden in Pflege gegeben (47,4%). Die Versorgung
von Katzen findet in 44,6% der Fälle in der gewohnten Umgebung von
ihnen gut bekannten Personen statt. Veränderungen und Störungen des
Verhaltens ihres Haustieres nach der Rückkehr konnten 26,9% der
Katzenhalter und 31,9 % der Hundehalter feststellen. Hunde
entwickelten in den meisten Fällen eine auffällige Verstörung (25,6%),
Katzen verweigerten in erster Linie die Futteraufnahme (20%).
Änderungen und Auffälligkeiten des Verhaltens treten bei Hunden
deutlich häufiger auf, wenn sie nicht mit in den Urlaub genommen
werden. Katzen hingegen entwickeln derartige Störungen in erster
Linie, wenn sie auf Reisen mitgeführt werden. Hier war ein gehäuftes
Auftreten im Zusammenhang mit dem Transport festzustellen.
Im Heimatland belassene Katzen zeigen eine deutliche Abhängigkeit
des Auftretens von Verhaltensänderungen und -störungen und der
Versorgung durch dem Tier weniger oder nicht bekannte Personen.
Bei Hunden und Katzen zeigt sich, daß die Entstehung von
Verhaltensauffälligkeiten mit ängstlichem Wesen des Tieres
korreliert ist. Anhängliche und somit an das Zusammenleben mit
dem Menschen gut angepaßte Tiere entwickeln hingegen deutlich
seltener mit der Reise der Besitzer zusammenhängende
Verhaltensänderungen.
Die Tierärztin Dr. Sybille Ehlers empfiehlt, daß Hunde besser auf
eine ihren Bedürfnissen entsprechende Reise mitgenommen werden
sollten, wobei dem Tier besondere Fürsorge zukommen muß. Katzen
reagieren sehr empfindlich auf Änderungen ihrer Haltungsumwelt
und sollten daher in der gewohnten Umgebung von der Katze gut
bekannten Personen versorgt werden. Übernehmen der Katze fremde
Personen die Betreuung, so muß dem Tier längere Zeit vor der
Abreise eine Gewöhnung an die Pflegeperson ermöglicht werden.
Verantwortung und Sorgfaltspflicht des Tierhalters gegenüber
seinem Haustier setzen eine frühzeitige und intensive Planung
einer Reise, aber auch alternativer Methoden voraus. Dr. Sybille
Ehlers führt weiter aus, daß die Tierärzte eine verstärkte
Beratungs- und Prophylaxefunktion anbieten sollten, da Reisen und
Heimtierhaltung in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.
Auch in der Touristikbranche wäre eine intensivere Ausrichtung auf
die Zielgruppe Haustierbesitzer wünschenswert.
Quelle:
Ehlers, Sybille
Ethologische, rechtliche und gesundheitliche Aspekte des Reisens
mit Hunden und Katzen unter Berücksichtigung alternativer
Möglichkeiten.
Dissertation im Wintersemester 99/00 an der Tierärztlichen
Fakultät Uni München
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