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AHO Aktuell - 16.04.2001

US-Gesundheitsbehörde genehmigt Bestrahlung von Futtermitteln


(aho) - Mit Datum vom 10. April 2001 hat die US-Gesundheitsbehörde FDA
(Food and Drug Administration) die Bestrahlung von Futtermitteln für
Tiere in der Landwirtschaft und Kleintiere zugelassen, um eine weitere
Verbreitung von Salmonellen über Futtermitteln zu verhindern. Die FDA
verweist hier ausdrücklich auf "Leckereien" für Kleintiere wie z.B.
getrocknete Schweineohren, da es über derartige Produkte wiederholt zu
Salmonelleninfektionen bei Menschen und Tieren gekommen ist.

Die FDA weist in einer Presseerklärung darauf hin, dass eine Bestrahlung
von Futtermitteln eine fachgerechte und hygienische Produktion und
Handhabung von Futtermitteln ersetzen kann.

Auch in Europa sind "Hundesnacks" ein hygienisches Problem. Anfang 2000
forderte die Dänische Regierung Hundebesitzer dazu auf, sich nach dem
Verfüttern von getrockneten Schweineohren und - Penisse (Ochsenziemer)
die Hände zu waschen und sich nicht von ihrem Hund belecken zu lassen.
Das Dänische Labor "Plantedirekrotatet" hatte in jedem dritten "Snack"
Salmonellen vom Typ DT104 gefunden. Quelle dieser auch für den Menschen
gefährlichen Salmonellen sollen Dänische Schweine sein. Es wird vermutet,
dass auch Dänische Schweinebauern diese mit Salmonellen verseuchten
Schweineohren und Bullenpenisse an ihre Hunde verfüttern und so die
Salmonellen wieder in ihre Bestände eingeschleppt werden.


Hintergrundinformationen zu den Strahlenquellen und Verfahren zur
Bestrahlung von Lebens - und Futtermitteln.


Die zu verwendenden Strahlenquellen müssen zwei Voraussetzungen erfüllen:
Im bestrahlten Produkt darf keine Radioaktivität erzeugt werden und
trotzdem muß die Energie groß genug sein, um die Strahlung ausreichend
tief eindringen zu lassen. Im Einzelnen sind dies von radioaktiven I
sotopen ausgehend:

· Kobalt-60, künstlich hergestellt aus Kobalt-59, Energie 1,17 und
1,33 MeV, wird auch für die Sterilisierung in der Medizin eingesetzt.
· Cäsium-137, aus Kernspaltung, Energie 0,66 MeV.

Maschinell, es sind weder Strahlen noch Strahlenquelle radioaktiv:

· Röntgenstrahlung, durch Abbremsen von Elektronen bis 5 MeV Energie

· Elektronenstrahlung ( bis 10 MeV Energie ), die von Teilchenbeschleu-
nigern (Linearbeschleunigern) erzeugt wird. Allerdings ist das Durch-
dringungsvermögen von Elektronen im Vergleich zu den anderen genannten
Strahlenquellen relativ gering; in Lebensmitteln wie Fleisch beträgt
die Reichweite nur etwa 4,5 cm und eignen sich deshalb für die
Oberflächenentkeimung z.B. von Froschschenkeln.

Entsprechend den Sicherheitsvorschriften in kerntechnischen Anlagen
sind die Bestrahlungsräume nach außen ausreichend abgeschirmt und
weitere Schutzmaßnahmen sowie Meßeinrichtungen vorhanden. Die Kobalt
60 oder Cäsium 137 - Strahlenquelle selbst wird üblicherweise durch
einen Zirkonium-Stahlmantel so abgeschirmt, daß jeglicher Kontakt
mit den Lebens - und Futtermitteln oder Mitarbeitern ausgeschlossen
ist. Das zu bestrahlende Gut wird an der Strahlenquelle über ein
automatisches Transportsystem um eine Strahlenquelle herumgeführt,
bis die gewünschte Bestrahlungsdosis erreicht ist. Zum Beispiels
wird in einer großen Co-Bestrahlungsanlage das Gut schrittweise in
verschiedenen Positionen durch die Anlage befördert, wobei es
insgesamt je nach Anforderungen 8 - 24 Stunden darin verweilt.

Nachweis der Bestrahlung von Lebens - und Futtermitteln.

Für die Kontrolle von Lebensmitteln in Deutschland sind die Lebens-
mitteluntersuchungsämter der Länder zuständig. Die Verbesserung von
ess- und Trennverfahren in den letzten 15 Jahren hat dazu geführt,
daß es heute möglich ist, eine vorangegangene Strahlenbehandlung bei
bestimmten Lebensmitteln oder Lebensmittelgruppen sicher zu erkennen.
Es sind dies die Erkennung bestrahlter Lebensmittel

· durch mikrobiologische Untersuchungstechniken. Im Gegensatz zu
herkömmlichen, chemischen Entkeimungsverfahren bringt die Bestrahlung
eine dauerhafte, irreversible Keimhemmung mit sich. Das Spektrum
nachzugeisender Mikroorganismen sieht bei bestrahlten Lebensmitteln
demnach anders aus, enthält langfristig mehrstrahlenresistente Arten.

· durch Messung der Thermolumineszenz (TL) bei Produkten, aus denen
Mineralien (Sand, Staub) isoliert werden können;

· durch gaschromatographisch/massenspektrometrische Untersuchungen
auf 2-Alkylcyclobutanone in fetthaltigen Produkten (Geflügel-,
Schweinefleisch, flüssiges Vollei);

· durch gaschromatographische Untersuchungen auf Kohlenwasserstoffe
in fetthaltigen Produkten (Geflügel-, Schweine-, Rindfleisch, Avocado,
Papaya, Mango, etc.);

· durch Elektronenspinresonanz-Messungen (ESR) bei trockenen,
cellulosehaltigen Produkten (getrocknete Früchte, Nussschalen, Samen,
Stiele,Verpackung, etc.) und bei knochen- bzw. grätenhaltigen Produkten
(Fleisch, Fisch).

· durch die Messung photostimulierter Lumineszenz (PSL) und durch die
Gelelektrophorese lysierter Einzelzellen. Die erste dieser Methoden
beruht, ähnlich wie die TL-Messung, auf der Freisetzung und Messung
von gespeicherter Energie. Bei der zweiten Methode bilden aus
strahlengeschädigten Zellen austretende DNS-Fragmente einen sogenannten
Kometenschweif. Beide Methoden gelten im Moment jedoch nur als Screening-
Methoden.

· Erkennungsmethoden, welche zur Zeit jedoch noch nicht genügend
ausgearbeitet sind, betreffen die Bestimmung von o-Tyrosin in fettarmen
Fleisch (z.B. Crevetten) oder die Feststellung einer Veränderung der
Viskosität in Pflanzenextrakten. Mit Hilfe der aufgezählten Methoden
können einige strahlenbehandelte Lebensmittel pflanzlicher Herkunft
erkannt werden. Bei frischen Früchten und Gemüsen befriedigen die bisher
ausgearbeiteten Erkennungsmethoden in den meisten Fällen jedoch nicht.
Ein wichtiger Grund dafür ist die geringe Konzentration an Inhaltsstoffen
in diesen Produkten. Biologische Methoden haben sich bisher als wenig
aussagekräftig erwiesen.

Das "Gemeinsames Expertenkomitee der FAO/IAEA/WHO für die gesundheitliche
Einschätzung bestrahlter Lebensmittel" wurde bereits 1980 festgestellt,
daß die Bestrahlung von Lebensmitteln bis zu einer Gesamtdosis von 10 kGy
keine toxikologischen Gefahren und keine Nährwertprobleme mit sich bringt.
 



 

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