Aktuelle Meldungen     Nachrichten suchen    kostenloses Abo  -   Nachricht weiterempfehlen

 

AHO Aktuell - 18.04.2001

Artgerechte Tierhaltung in Zoos muss selbstverständlich sein


Köln, Wuppertal, Bonn, 18.4.2001: Auf Einladung des Verbandes der
Deutschen Zoodirektoren besuchten heute der Staatssekretär im
Bundesverbraucherministerium, Dr. Martin Wille, und der Präsident
des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Professor Hartmut Vogtmann
zwei der größten deutschen zoologischen Gärten in Wuppertal und
Köln.

Mit ihrem Besuch der Zoos wiesen Wille und Vogtmann auf die Bedeutung
der Zoologischen Gärten in unserer Gesellschaft insbesondere für den
Tier- und Artenschutz und den damit verbundenen Bildungsauftrag hin.

Jährlich besuchen etwa 40 Millionen Menschen die zoologischen Gärten
in Deutschland, darunter viele Kinder und Jugendliche. Damit kommt
den Zoos nicht nur hinsichtlich der artgerechten Tierhaltung eine
wichtige Vorbildfunktion zu. Sondern sie leisten auch mit Führungen,
Broschüren oder Hinweistafeln, auf denen die jeweilige Art, deren
Verbreitungsgebiet und Bestandszahl benannt wird, einen bedeutenden
Beitrag zur Aufklärung über die Bedeutung der Artenvielfalt und des
Artenschutzes. Damit werden auch jüngere Besucher angeregt, sich mit
Fragen des Natur- und Tierschutzes auseinanderzusetzen.

"Um ihrem naturkundlichen Bildungsauftrag gerecht zu werden, müssen
die Zoos Tiere so naturnah und artgerecht wie nur möglich halten",
so Wille. Dazu gehöre, dass Zootiere die Möglichkeit haben müssen,
natürliches Verhalten sowie artgerechtes soziales Gefüge zu
entwickeln, um Verhaltensstörungen vorzubeugen, wobei eine
natürliche Fortpflanzung und Brutpflege nur soweit ermöglicht
werden sollte, wie sichergestellt ist, dass die Nachzucht artgerecht
untergebracht werden kann.

Eine besondere Rolle kommt dabei den vom Verbraucherministerium
herausgegebenen Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung
von Säugetieren, verschiedenen Vogelgruppen oder von Reptilien zu,
die u. a. unter Mitwirkung der deutschen Zoodirektoren entwickelt
wurden. Die Tiergartenbiologie entwickelt sich rasch weiter und
neuen Erkenntnissen muss daher durch laufende Anpassung
entsprechender Haltungsrichtlinien Rechnung getragen werden.
Diese Informationen werden teilweise als wissenschaftliche
Grundlage durch das BfN zur Bewertung von Haltungsbedingungen
im Rahmen des Einfuhrantragsverfahrens nach der EG-Artenschutz-
verordnung herangezogen werden.

Zur aktuellen Diskussion über die Impfung von Zootieren gegen Maul-
und Klauenseuche wies Wille darauf hin, dass Ministerin Künast
beim informellen Agrarrat in Schweden nachdrücklich eine
Ausweitung der Impfmöglichkeiten von Zootieren gefordert habe.
Sie werde dies beim kommenden Agrarrat erneut ansprechen.
Gleichzeitig würden ihre Fachleute dieses Anliegen am 17. und
18. April beim Internationalen Tierseuchenamt in Paris vertreten.

Wille und Vogtmann bekräftigten ihre Absicht, die bisherige gute
Zusammenarbeit zwischen dem für den Vollzug internationaler
Artenschutzvorschriften zuständigen BfN und dem für den Tierschutz
verantwortlichen Ministerium auch künftig fortzusetzen.

Die Bedeutung der anerkannten Zoos ist in unserer heutigen Zeit
wichtiger denn je. "Die Zeiten der Menagerie, in der Zoos mehr
Masse, statt Klasse zeigten, müssen vorbei sein", sagte Professor
Vogtmann. Zahlreiche erfolgreiche ex-situ Arterhaltungszuchtprojekte
(zum Beispiel im Rahmen von Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen),
verbunden mit Schutzmaßnahmen in den ursprünglichen Lebensräumen
dokumentieren auf eindrucksvolle Weise die Rolle der zoologischen
Gärten in unserer Zeit. Dies gilt z.B. für so seltene Arten wie
den Mauritiusfalken, den Bali-Star, die Mallorca-Geburtshelferkröte
oder die Mauritius-Boa. Zoos haben hier wesentlich mit dazu
beigetragen, dass diese Arten nicht ausgestorben sind. Dennoch
reichen solche Einzelmaßnahmen längst nicht mehr aus.

"Jeder Zoo sollte mindestens ein oder zwei in-situ Artenschutz-
projekte finanzieren und langfristig betreuen. Einige große
deutsche Zoos tun dies bereits. Dennoch sehe ich hier noch
deutlichen Handlungsbedarf ," stellt Professor Vogtmann fest.
Als anspornendes Vorbild sollte den deutschen Zoos der Bronx-Zoo
(heute 'New York Wildlife Conservation Park') in New York dienen,
der über 150 solcher arterhaltender Projekte in über 40 Ländern
der Erde betreut. Trotz bereits jetzt erzielter großer Fort-
schritte in deutschen Zoos und trotz Bekenntnis fast aller großen
deutschen Zoos zu den Zielen der Zoo-Weltnaturschutzstrategie der
Weltnaturschutzunion IUCN (World Conservation Union) dürfen vor
allem die deutschen zoologischen Gärten in ihrem Bemühen nicht
nachlassen, sich noch mehr als bisher in Richtung Natur- und
Artenschutzzentrum weiter zu entwickeln".

Viele zoologische Gärten in Deutschland oder dort arbeitende
Wissenschaftler unterstützen die am Vollzug des internationale
Artenschutzrechts beteiligten Bundes- und Landesbehörden als
Sachverständige oder bei der Unterbringung beschlagnahmter
artengeschützter Tiere. "Ohne diese erfolgreiche und zu einem
großen Teil oft auch freiwillige Unterstützung hätten wir keinen
so erfolgreichen und beispielhaften Artenschutzvollzug in
Deutschland", so Vogtmann.
 



 

  zum Seitenbeginn


© Copyright

AHO Aktuell ist ein Service von ANIMAL-HEALTH-ONLINE und @grar.de